Christian Jaeger: Natürlich nut- zen wir dafür Förderprogramme – etwa von der KfW oder vom Land NRW. Diese öffentlichen Mittel helfen, die finanzielle Belastung zu dämpfen. Aber niemand kann garantieren, dass es diese Programme auch in zehn Jahren noch gibt. Deshalb müssen wir so planen, dass unsere Genossenschaft auch unabhängig davon handlungs- fähig bleibt. Und diese Handlungsfähigkeit hängt von den Mieteinnahmen ab? Christian Jaeger: Genau. Unsere einzige Einnahmequelle sind die Nutzungsentgelte – also einfach gesagt: die Mieten. Damit finanzieren wir alles: In- standhaltung, Modernisierung, Verwaltung, Kredite und Inves- titionen in den Klimaschutz. Wir erwirtschaften keine Gewinne für Dritte, sondern reinves- tieren vollständig in unsere Wohnungen und Gebäude. Außerdem müssen wir Rück- lagen bilden, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Michael Ruwe: Deshalb war klar: Wenn wir unsere Gebäude modernisieren und die steigen- den Kosten bewältigen wollen, müssen wir unsere Mieten künftig moderat anpassen. Nicht, um Gewinne zu erzielen, sondern um langfristig be- zahlbares Wohnen zu sichern. Unsere durchschnittliche Angebotsmiete bei Wieder- vermietung in Bestandsbauten liegt mit rund 6,66 Euro pro Quadratmeter deutlich unter dem Dortmunder Durchschnitt von 8,97 Euro pro Quadrat- meter. Und wie hoch ist die Mietan- passung auf dieser Grundlage? Christian Jaeger: In den ver- gangenen Jahren haben wir die Mieten stets sehr maßvoll angepasst. Diese Anpassungen haben bisher ausgereicht, um steigende Kosten abzufedern. 6 WOHNUNGSWIRTSCHAFT Inzwischen sind die Ausgaben jedoch deutlich stärker ge- stiegen als die Erträge, was insbesondere auf die Heraus- forderungen der Energiewende und die deutlich gestiegenen Zinssätze für bestehende Dar- lehen zurückzuführen ist. Um die wirtschaftliche Stabilität zu sichern, haben wir nach in- tensiven Beratungen in unseren Gremien beschlossen, die Mie- ten auf Basis der gesetzlichen Vorgaben – und damit weiter- hin moderat und höchstens bis zur Grenze von 90 Prozent des Mittelwerts des Mietspiegels – anzupassen. Dies betrifft nur bestehende Mietverhältnisse, in denen mindestens drei Jahre keine Erhöhung stattgefunden hat. Seit April werden diese Anpassungen schrittweise ver- sendet, die ersten sind zum 1. Juli 2025 wirksam geworden. Martin Trockels: Unser Ziel bleibt unverändert: Wir möchten unseren Bestand langfristig sichern, weiterhin in Modernisierung und Klima- schutz investieren und so auch künftig bezahlbaren Wohnraum für unsere Mitglieder gewähr- leisten. Wie genau läuft die Zustim- mung zur Mietanpassung ab? Martin Trockels: Die Zustim- mung der Bewohner:innen ist in jedem Fall einzuholen, denn das schreibt das Gesetz so vor. Eine Anpassung kann dabei nicht einfach abgelehnt werden, es sei denn, sie wäre formal nicht berechtigt. Das war bei uns bis- her nie der Fall. Alle Berechnun- gen wurden sorgfältig geprüft und als korrekt bestätigt. Warum gibt es bei SPARBAU keine reine „Kostenmiete“? Christian Jaeger: Als Genos- senschaft verfolgen wir einen anderen Ansatz. Wir denken langfristig und gemeinschaft- lich. Unser Ziel ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern der Erhalt und die Weiterent- wicklung unseres gesamten Wohnraums zum Wohle aller Mitglieder. Überschüsse ver- bleiben in der Gemeinschaft und stärken als Rücklagen das Eigenkapital, ein Teil wird als Dividende an die Mitglieder ausgeschüttet. Deshalb zählen unsere Mieten zu den günstigs- ten am Dortmunder Markt. Schützt die Mietpreisbremse vor einer Mietanpassung? Michael Ruwe: Zur Einordnung: Die Mietpreisbremse greift nur bei einer Neuvermietung. Sie schreibt vor, dass die Miete höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmie- te liegen darf. Für bestehende Mietverhältnisse gilt hingegen die sogenannte Kappungsgren- ze. Diese erlaubt innerhalb von drei Jahren eine Mieterhöhung von maximal 15 Prozent, sofern die ortsübliche Vergleichsmiete dabei nicht überschritten wird. In unserem Fall liegen die Miet- preise sowohl bei bestehenden Mietverhältnissen als auch bei Neuvermietungen unter dem Durchschnitt der ortsüblichen Vergleichsmiete. Somit bieten wir Ihnen einen Schutz, der we- der die Mietpreisbremse noch die Kappungsgrenze erforder- lich macht. Und was passiert, wenn je- mand Schwierigkeiten hat, die Miete zu zahlen? Martin Trockels: Dann sind wir da. Unsere Kolleg:innen beraten vertraulich und persön- lich. Gemeinsam prüfen wir, ob zum Beispiel ein Anspruch Ø-Mieten | jährliche Steigerungen im Vergleich* 9,00 € 8,00 € 7,00 € 6,00 € 5,00 € 4,00 € 7,25 € 6,19 € 5,57 € 4,79 € 7,52 € 6,44 € 5,75 € 4,88 € 7,91 € 6,67 € 5,89 € 5,00 € 8,26 € 6,86 € 5,91 € 5,15 € 8,59 € 7,09 € 6,29 € 7,19 € 6,49 € 5,28 € 5,40 € 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Spar- und Bauverein eG Ø Unternehmen der Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Wohnungsunternehmen (ADW) Private Wohnungsunternehmen Angebotsmiete Dortmund gesamt * über alle Baualtersklassen hinweg (Bestand und Neubau)