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Workshop ZWEITZEUGEN e. V.

Am Dienstag, den 19. April fand im Rahmen des Osterferienprogramms im Quartierstreff Concordia ein dreistündiger Workshop mit ZWEITZEUGEN e.V. statt, an dem Kinder aus den Klassen vier bis sechs teilnahmen. Im Quartierstreff Concordia werden, in Kooperation der Planerladen gGmbH und der SPARBAU-Stiftung, Aktivitäten für die Nachbarschaft am Borsigplatz angeboten.

ZWEITZEUGEN e.V. erzählt in analogen und digitalen Bildungsprojekten aus der Zeit des Nationalsozialismus und ermöglicht – persönlich und einfühlsam – Lebensgeschichten Holocaustüberlebender kennenzulernen und diese zu bewahren. Der Verein sensibilisiert (junge) Menschen für Antisemitismus und Rassismus, sie werden ermutigt, die Geschichten als Zweitzeug:innen weiterzugeben, selbst aktiv zu werden und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Der Workshop startete mit dem Sammeln und Einordnen von Vorwissen über den 2. Weltkrieg. Erstaunlich, was die Kinder darüber schon alles wissen! Um die ein oder andere Lücke zu füllen, erklärte Ksenia (Workshopleitende) sehr kindgerecht noch ein paar wichtige Begriffe, darunter Judentum, Nationalsozialismus und Deportationsbescheid.

„Ich brauch jetzt etwas Vertrauen von euch. Ihr werdet wahrscheinlich total verwundert über unseren nächsten Schritt sein. Aber am Ende ergibt alles einen Sinn“, kündigte Ksenia die nächste Aufgabe an. Um die beängstigende Situation verfolgter Menschen zu der damaligen Zeit greifbarer zu machen, skizzierte die Gruppe nämlich gemeinsam einen für sie ganz gewöhnlichen Tag auf Papier. „Bevor ich zur Schule gehe, spiele ich meistens noch ein bisschen“, sagt Sezin grinsend. Fast jede:r Teilnehmende übt in der Freizeit ein Instrument, zum Beispiel Querflöte, Gitarre und Geige, oder eine Sportart. Ganz hoch im Kurs: Basketball, Schwimmen und Fußball. Der Alltag von Menschen jüdischen Glaubens war damals von einer nahezu nie endenden Liste einschränkender bis lebensbedrohlicher Gesetze betroffen. Schul- und Sportvereinsverbot waren da nur der Anfang. Sogar das Kaufen von verschiedenen Lebensmitteln wie Schokolade, Weizen- und Milchprodukten, Eiern und Fleisch wurde Jüdinnen und Juden untersagt. Spätestens hier stand den Kindern das Grübeln ins Gesicht geschrieben. Wie genau hat wohl ein Frühstück unter solch tragischen Bedingungen dann ausgesehen?

Nach all der Theorie begann Ksenia anschließend, die Überlebensgeschichte von Elisheva Lehman, auch Ellis genannt, zu erzählen. Sie erzählte von ihrer Familie in den Niederlanden, von ihrer ersten großen Liebe Berni, dem Meer, an dem sie aufgewachsen war, und von vielem mehr. Und dann erzählte sie, wie sich ihr Leben durch den Krieg veränderte. 13 Verstecke suchte sie in der Zeit insgesamt auf, die sie alle in ihren Tagebüchern dokumentierte. Sie verlor den Mann, mit dem sie sich eine Zukunft aufbauen wollte und kam selbst nur mit sehr viel Glück davon. Nach dem Krieg verliebte sich Ellis neu und heiratete. Sie verarbeitete den Krieg mit Musik. Genauer gesagt mit Singen und Klavierspielen. So die Kurzfassung.

In den folgenden Tagen, nachdem die Kinder die Informationen durch weiterführende Gespräche noch besser begreifen und verarbeiten konnten, wird die Gruppe gemeinsam Briefe mit ihren Gedanken und Gefühlen schreiben. Was hätten sie sich für Elisheva Lehman gewünscht? Gesammelt und digitalisiert werden diese dann der Tochter, Shula Bitran, übermittelt. Denn Ellis ist 2021 leider verstorben. Mit großen runden Augen und einem Zweitzeug:innen-Ausweis verließen die Kinder den Quartierstreff Concordia.

„Ksenia hat den Workshop unglaublich spannend und empathisch gestaltet. Ich habe mir vorher nur schwer vorstellen können, wie genau der Zugang zu einem solch schwierigen, aber wichtigen Thema für Kinder dieser Altersstufe wohl aussehen mag. Ich bin mehr als begeistert und möchte hiermit jeder Person die Scheu nehmen, schon früh über das Thema mit Kindern zu sprechen“, sagt Ann-Kathrin Thymian, Koordinatorin des Quartierstreffs Concordia.

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