01.06.2015

Gast-Haus statt Bank

Die knallrote Fassade an der Rheinischen Straße 22 ist nicht zu übersehen. Hier finden Wohnungslose und andere Bedürftige Hilfe und Gehör. Und hier sind wir mit dem Sparbau-Bewohner Dieter Halsband verabredet, der uns das „Gast-Haus statt Bank“ einmal näher vorstellen will.

 

Mittlerweile fast 20 Jahre alt, handelt es sich um das Angebot eines ökumenischen Vereins, der Wohnungslosen Gastfreundschaft, Rat und Hilfe bieten möchte. Zu den „Gästen“ – wie Dieter Halsband, Beisitzer im Vorstand, und alle anderen Mitarbeiter die Besucher respektvoll nennen – zählen aber auch diejenigen, die zwar über ein Zimmer oder eine Wohnung verfügen, aber am Rande der Armut leben.

Und das sind nicht wenige: Die Zahlen zeigen, wie beeindruckend das Engagement der Initiative ist, verdeutlichen zugleich aber auch den sozialen Notstand in Dortmund. So nahmen mehr als 90.000 Gäste im Jahr 2014 die Einladung zum Frühstück an, über 5.100-mal wurden die Ärzte und Helfer des medizinischen Diensts aufgesucht. Rd. 1.400 T-Shirts, 1600 Herren-Slips und 2.600 Paar Socken gaben die Gast-Haus-Mitarbeiter heraus; dazu Jeans, Pullover, Anoraks, Schuhe und andere Bekleidungsstücke. „Um dies alles zu ermöglichen, sind wir mehr als 15.000 Stunden in unserem Gast-Haus tätig“, erklärt Dieter Halsband und öffnet die Eingangstür, die in den Frühstückssaal führt.

„Es könnte alles ein bisschen größer sein“, sagt der 73-Jährige, der sich seit gut acht Jahren ehrenamtlich in der Initiative engagiert. 54 Sitzplätze fasst der kleine Raum mit den bunten Kunstwerken an der Wand. „Zum morgendlichen Frühstück in der Zeit von 8 bis 11 Uhr kommen durchschnittlich 250 Gäste“, sagt Dieter Halsband und zeigt auf die einzelnen Sitzgruppen. An drei Nachmittagen in der Woche sind die Gäste zusätzlich zu Gesprächen und Spielen bei Kuchen und Tee willkommen. Geöffnet hat das Gast-Haus 365 Tage im Jahr, „im Schaltjahr auch 366 Tage“.

Machbar ist diese Kontinuität für den kleinen Verein nur, weil sich so viele Menschen hier in ihrer Freizeit engagieren. „Nahezu 120 Mitarbeiter sind ehrenamtlich bei uns aktiv. An den Wochenenden helfen auch mal Schüler aus“, so Dieter Halsband. Viele Lebensmittelläden, Krankenhäuser, Vereine oder auch Gemeinden spenden Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel. „Wir leben ausschließlich von Spenden“, erklärt er. Um den Betrieb am Leben zu erhalten und die Gäste mit dem Nötigsten zu versorgen, benötigt die Einrichtung pro Jahr etwa 160.000 € bis 180.000 €.

Der Rundgang führt weiter in den Sanitärbereich. Wer ins Gast-Haus kommt, kann nicht nur in geselliger und heimeliger Atmosphäre frühstücken, sondern auch duschen, Wäsche wechseln und Ärzte aufsuchen. Neben der Möglichkeit, an Gottesdiensten teilzunehmen, biete das Gasthaus zudem eine Rechtsberatung und Hilfe bei Behördengängen, alle sechs Wochen finde ein Kulturabend statt, erklärt Dieter Halsband, der seit seiner Pensionierung im Jahr 2006 mindestens zwei- bis dreimal in der Woche ehrenamtlich im Gast-Haus mitarbeitet.

Aufmerksam geworden auf diese Initiative ist er durch eine Todesanzeige: Als ein alter Bekannter aus der gemeinsamen Pfadfinderzeit verstarb, wurde in der Anzeige um Spenden fürs Gast-Haus gebeten. Dieter Halsband setzte sich mit der Familie in Verbindung – und so nahm sein Engagement seinen Anfang. „Eine Welt, eine Armut, wie ich sie mir nie vorstellen konnte“, erinnert er sich an seinen ersten Tag. Berührungsängste hat er keine. „Natürlich muss man manchmal starke Nerven haben“, sagt er, „und wir können nicht alle Probleme lösen. Das brennt mir manchmal auf der Seele.“  Doch das oberste Ziel werde immer erreicht: den Gästen, die oft unter sehr schwierigen Bedingungen leben müssen, in einer Weise zu begegnen, die ihre Würde achtet.  „Unser Gast-Haus ist etwas Besonderes“, erklärt Dieter Halsband nicht ohne Stolz. „Nach jedem Arbeitstag geht man mit einem guten Gefühl nach Hause.“


Genossenschaft spendet 1.000 €

Ob ehrenamtliche Mitarbeiter, Sachspenden oder auch Geldspenden: „Hilfe wird immer gebraucht“, sagt Dieter Halsband, Beisitzer im Vorstand der Initiative. Umso mehr freute er sich über eine Spende seiner Genossenschaft. Franz-Bernd Große-Wilde und Esther Okunick  vom Spar- und Bauverein überreichten Dieter Halsband die Spende in Höhe von 1.000 Euro: 750 Euro Preisgeld aus einem gewonnen Fassadenwettbewerb sowie 250 Euro aus einer Schrottsammelaktion der Sparbau-Hausmeister. Wenn auch Sie die Initiative unterstützen möchten, wenden Sie sich einfach an deren Büro: Sie erreichen es unter Tel. 0231 140936 – oder schauen mal persönlich in der Rheinischen Straße 22 vorbei. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.gast-haus.org.

   

Kontakt:

Nicole Brückner-Lotsch | Pressereferentin Spar- und Bauverein eG | Kampstr. 51 | 44137 Dortmund Tel. 0231 18203-176 | brueckner-lotsch[at]sparbau-dortmund.de

 

Genossenschaft spendet 1.000 Euro